Hochsensibilität am Arbeitsplatz – eine Chance

Hochsensibilität ist ein großes Thema geworden in letzter Zeit. Immer mehr Bücher mit neuen Erkenntnissen und Meinungen überschwemmen gerade den Markt. Ich beschäftige mich schon seit langer Zeit mit dem Thema Hochsensibilität und möchte deshalb auch unbedingt Arbeitgeber dazu aufrufen hochsensible Personen einzustellen. Denn mit ihren feinen Fühlern sind Hochsensible eine wahre Bereicherung für jedes Unternehmen.

Durch die Beschäftigung mit dem Thema Hochsensibilität habe ich viel über meine eigene Sensibilität erfahren und deshalb habe ich auch das Bedürfnis gewisse Erkenntnisse zu teilen. Mir ist es dabei vor allem wichtig Arbeitgeber und Mitarbeiter zu informieren und die Unsicherheit diesbezüglich zu nehmen.

Feinfühligkeit im Unternehmen zahlt sich aus.

Feinfühligkeit im Unternehmen zahlt sich aus.

Was Hochsensibilität ausmacht

Momentan geht die Forschung davon aus, dass um die 20 % aller Lebewesen hochsensibel sind. Sicher gibt es auch sensible Lebewesen, allerdings ist deren Sensibilität eher auf Erziehung und Prägung zurückzuführen. Inwieweit Prägung bei Hochsensibilität eine Rolle spielt ist noch unklar. Die neusten Forschungen gehen momentan davon aus, dass Hochsensibilität erblich ist und das Nervensystem von Hochsensiblen anders funktioniert und – ganz einfach gesprochen – mehr Eindrücke und Informationen durchgelassen werden.

Hochsensibilität lässt sich besonders schwer definieren, da sich Wesenszüge und Ausprägungen erheblich unterscheiden können. Fest steht Hochsensible nehmen aus irgendeinem Grund intensiver wahr. Das können Geräusche und Gerüche sein oder der Tastsinn, das Schmecken und das Empfinden von Emotionen. Auch deshalb wird im Zusammenhang mit Hochsensibilität auch zunehmend von Hochsensitivität geredet.

Alltagsbewältigung

Für Hochsensible kann der Alltag durchaus eine große Herausforderung sein, besonders, wenn die eigene Hochsensibilität noch nicht bekannt ist. Als Highly Sensitive Person oder auch Hochsensible Personen (kurz HSP) ist es deshalb eine Erleichterung, wenn sie das erste Mal von dieser Ausprägung hören.

Reizüberflutung lauert heutzutage an fast jeder Ecke, im Büro, im Café, durch Fernsehen, Smartphones oder Straßenlärm, die Liste ließe sich unendlich weiterführen. Auch für weniger sensible Personen ist dies teilweise eine große Sache und nicht zu unterschätzen.

Hochsensibilität ist eine Chance und nicht nur eine Herausforderung, denn Hochsensitive haben besondere Fähigkeiten, die unsere Gesellschaft und auch unsere Unternehmen – besonders in der heutigen Zeit – benötigen. Sie sind die Wächter, die Hüter und Berater. Sie sind die Waagen, die das Kommerzielle und die Leistungsgesellschaft ausgleichen und den Gegenpol dazu bilden.  Die Frage lautet deshalb, was Arbeitgeber tun können, damit sich Hochsensible in ihrem Unternehmen wohlfühlen und sich ihre Fähigkeiten voll entfalten können?

Was Arbeitgeber tun können

Verständnis zeigen und Rücksicht nehmen, ist wohl das Wichtigste und bestimmte Reaktionen nicht allzu persönlich nehmen. Sind Hochsensible erst einmal in der Spirale der Überreizung können sie durchaus sehr ungemütlich werden und dann ist ihre Sensibilität nicht sonderlich gut zu spüren –  im Gegenteil.

HSP haben des Öfteren das Bedürfnis sich zurückzuziehen und den Sinneseindrücken eine kurze Pause zu gönnen. Raum und auch Zeit für Pausen sind deshalb sehr wichtig. Hsp sind meiner Erfahrung nach nicht die besonders gut geeignet für Großraumbüros oder Co-Working Spaces. Ein Einzelbüro ist daher eher geeignet. Dennoch, mit gelegentlichen Rückzugsmöglichkeiten, ist auch dies kein Problem.

Hsp zu verstehen ich nicht immer einfach, besonders, wenn sie sich während der Mittagspause zurückziehen anstatt mit den Kollegen Essen zu gehen oder lieber für sich alleine einen Spaziergang machen. Es hat nichts damit zu tun, dass sie die Kolleginnen und Kollegen nicht leiden können.  Es hat nur damit zu tun, dass sich HSP um sich selbst kümmern müssen, damit sie ihren eigenen Ansprüchen genügen und gute Arbeit leisten können.

Hochsensitive machen es gerne allen recht und gehen deshalb auch mal über ihre Grenzen, als Arbeitgeber ist deswegen auch darauf zu achten, dass Pausenzeiten tatsächlich eingehalten werden. Fest steht, dass Arbeitgeber sich immer auf einen hochsensiblen Mitarbeiter verlassen können. Loyalität ist für Hsp besonders wichtig.

Auch unausgesprochene Konflikte können HSP durchaus stark belasten. Sie sind wahre Meister im Analysieren von Beziehungen und haben ein Gespür für Stimmungen im Raum. Auch das muss verarbeitet werden. Zudem sind sie die geborenen Streitschlichter, da ihr Harmoniebedürfnis mitunter sehr stark ausgeprägt sein kann.

Ganz wichtig: Hsp halten sich oft zurück, wirken auf den ersten Eindruck sehr verschlossen, sind aber dennoch häufig voll im Thema (zumindest gedanklich) und haben auch deshalb sehr gute Ideen zu einer Sache beizutragen. Sie müssen ermutigt werden, ihre Meinungen, Ideen und Eindrücke zu schildern. Hinzukommt, die Wertschätzung ihrer Person und ihrer Leistung. Häufig sind Hsp ein Problem schon tausendmal im Kopf durchgegangen und haben sich damit schon viel genauer auseinandergesetzt. Von ihren Lösungskompetenzen und ihrer Kreativität können Arbeitgeber profitieren. Denn Hsp haben starkes ästhetischen Empfinden und in diesem Sinne auch ein Gespür für Idealzustände. Sie wissen einfach, wie etwas sein muss, damit es gut ist. Zudem haben sie die Fähigkeit, selbst komplexe Dinge zu abstrahieren und fungieren auch deshalb häufig als eine Art „Übersetzer“ zwischen den verschiedenen Branchen und Mitarbeitern.

Ihre Empathiefähigkeit kommt Hsp nicht nur im direkten Kunden- oder Mitarbeiterkontakt zugute, sondern auch beim Spüren von neuen Trends und Entwicklungen in der Gesellschaft. Hsp können sehr früh schon Tendenzen, die die Gesellschaft betreffen, wahrnehmen. Besonders in Werbeagenturen und beim Entwickeln von neuen Produkten ist dies ein erheblicher Vorteil. Auch als Berater werden Hochsensible deshalb besonders geschätzt.

Hochsensible Personen fühlen sich besonders wohl, wenn sie eigenverantwortlich arbeiten können und dabei auch ihre Kreativität zum Einsatz kommen darf. Zudem ist es ihnen sehr wichtig, dass ihnen vertraut wird und man ihnen ehrlich gegenübertritt. Eine hochsensitive Person würde darüber hinaus merken, wenn jemand lügt oder etwas nicht stimmt und sich deshalb eher zurückziehen. Somit ist ein HSP auch ein guter Seismograph, um festzustellen, ob das Unternehmen noch auf dem richtigen Weg ist oder sich irgendwo (zwischenmenschliche) Schwierigkeiten anbahnen.

 

Wenn Arbeitgeber also auf eine Umgebung und Atmosphäre achten, die zu hochsensiblen Mitarbeitern passt, profitieren dadurch auch alle anderen Mitarbeiter und einer nachhaltigen, harmonischen und gesunden Arbeitsatmosphäre steht dann nichts mehr im Wege. Traut euch liebe Arbeitgeber!

 

Da Hochsensibiltät nicht nur die Arbeitswelt betrifft, sondern auch den Schulalltag habe ich zu diesem Thema einen sehr persönlichen Einblick auf buntekreide.de gegeben, den du hier nachlesen kannst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *